Q.12 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, 1870-1972

1.1 Signatur
Q.12
1.2 Titel

Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser

1.3 Datum

1870-1972

1.4 Verzeichnungsstufe

Bestand

1.5 Umfang

64 lfm

2.1/2.2 Bezug (Körperschaften, Personen, Familien)

Provenienz: Zipser, Fotohaus, Baden
Im Jahre 1875 gründete der aus der Tschechoslowakei eingewanderte Paul Berthold Felix Zipser (30.3.1853-24.5.1888, Rufname Paul) mit Carl Lang (13.4.1851-28.7.1911) das Fotohaus «Lang und Zipser» beim Kursaal Baden (Haselstrasse 3). Lang trat 1884 aus und übersiedelte nach Chur, wo er ein eigenes Fotogeschäft gründete. Beim Tod von Paul Zipser 1888 war sein gleichnamiger Sohn erst sechs Jahre alt. Seine Witwe Franzisika Frieda Zipser-Lang (Heirat 14.6.1881, Rufname Frida) führte das Geschäft weiter, von unbekanntem Datum an unter dem Namen Zipser & Schmidt zusammen mit dem deutschen Fotografen Wilhelm Schmidt (16.2.1869-20.7.1922, von Trier). Von November 1903 bis März 1904 besuchte der 21-jährige Paul Zipser jun. die Lehr- und Versuchsanstalt für Photografie und Malerei von Ernst Sonntag in Dresden-Trachau. Er wird schon vor dieser Ausbildung im Betrieb mitgearbeitet haben. Das Datum des Austritts von Wilhelm Schmidt ist nicht bekannt (vor 1909; Schmidt übersiedelte nach St. Gallen und führte dort ein eigenes Fotoatelier). Paul nannte seinen Betrieb "Photographisches Atelier Zipser" oder "Fotohaus Zipser". Altershalber übergab er das Geschäft 1948 seiner Tochter Dora, die es bis 1955 weiterführte und ihn dann an Walter Müller weiterverkaufte. Am 1. April 1950 starb Paul Zipser. Walter Müller ging um 1980 in Konkurs.

2.3 Bestandeshistorie

Aus der Konkursmasse von Walter Müller, der 1955 das Fotohaus Zipser übernommen hatte, erwarb die damalige Schweizerische Kreditanstalt 1981 das sogenannte Plattenarchiv (das heisst die auf Glasträgern befindlichen Originalnegative) des Fotohauses samt verschiedenem Zubehör und schenkte die Kaufsobjekte der Stadt Baden für das Historische Museum. Das Museum hatte damals im Landvogteischloss nicht die Möglichkeiten, das Fotoarchiv zu lagern und zu betreuen. Deshalb wurde es 1981 vertraglich zur Aufbewahrung und Betreuung an Dr. Walter Scherer übergeben. Das Ehepaar Verena und Walter Scherer hatte bereits vor 1981 begonnen, das Fotoarchiv für Ausstellungen und Publikationen auszuwerten. Das Fotoarchiv lagerte im Privathaus Scherer am Ahornweg 13 in Baden, bis es im April 2013 in das klimatisierte Fotomagazin des Stadtarchivs Baden überführt wurde.

3.1 Form und Inhalt

Es handelt sich ausschliesslich um Glasnegative (schätzungsweise 50'000). Der grösste Teil sind Porträts und Gruppenaufnahmen, die das Fotohaus in seinem Atelier an der Haselstrasse 3 erstellte. Es liessen sich Personen und Familien aus Baden und einer weiteren Region ebenso ablichten wie Kurgäste während ihres Aufenthalts in Baden. Ein kleinerer Teil, gut 3000 Aufnahmen, sind im weitesten Sinne topografische oder Sachsujets aus Baden und der engeren Region, nur in wenigen Fällen aus anderen Landesgegenden. Oft sind Intérieurs von Privathäusern, Restaurants, Hotels, Fabriken oder Kirchen vorhanden. Badener Festivitäten wie die erste Badenfahrt 1923 oder die Aargauische Gewerbeausstellung 1925 sind in grossen Serien dokumentiert. Die gut 3000 topografischen und Sachsujets und gegen 1000 Porträts und Gruppenaufnahmen wurden durch das Ehepaar Verena und Walter Scherer ausgewählt und mit einer "neuen Nummer" versehen (Q.12.1). Stichproben ergaben im Jahr 2014, dass die übrigen Bilder (Q.12.2) weitestgehend aus Porträts und Gruppenaufnahmen bestehen und kaum noch Sachsujets enthalten (Ausnahmen möglich) und dass die ausgewählten Bilder (Q.12.1) gut über die ganze Periode verteilt sind.

4.1 Zugangsbestimmungen

freier Zugang

4.2 Reproduktionsbestimmungen

Lizenz: Creative Commons BY-SA 4.0
Nutzung: frei
Bildnachweis: Stadtarchiv Baden, Q.12.1.XXX [bitte komplette Signatur zitieren] // Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q.12.1.XXX

4.4 Physische Beschaffenheit

Die meisten Glasnegative sind in gutem Zustand. Die digitalisierten Glasnegative von Q.12.1 wurden 2014 trockengereinigt und alterungsbeständig verpackt. Die übrigen Glasnegative (Q.12.2) verblieben in ihren ursprünglichen Verpackungen (Schachteln mit einem Dutzend oder mehr Glasnegativen, je nach Format).
Ein kleiner Teil der Glasnegative ist alterungsbedingt degeneriert. Wenige Glasnegative sind beschädigt: zerbrochen, mit Wasserschäden, mit beschädigter Oberflächenschicht (Topcoating). In der Regel sind die Schäden im entsprechenden Datensatz kurz vermerkt.

4.5 Findmittel

Als Findmittel zu den Fotografien nach Zipser-Nummer (Q.12.2; bei Q.12.1 ist die Zipser-Nummer, wo erhalten, als alte Signatur geführt) dienen die Bestellbücher (Q.12.3), in die das Fotohaus chronologisch mit fortlaufender Nummer alle Bestellungen mit Besteller und erzieltem Preis eintrug.

5.4 Veröffentlichungen

Scherer, Walter: Fotografen in der Region Baden. In: Badener Neujahrsblätter 53 (1978), 81-88.
Scherer, Walter: Das Fotohaus Zipser in Baden. In: Badener Neujahrsblätter 55 (1980), 81-83.
Scherer, Walter; Zander, Edi: Badener Album. Alte Photographien. Baden 1976.
Scherer, Walter; Füllemann, Verena: Baden um die Jahrhundertwende. Aarau, Baden 1979.
Meier, Eugen; Scherer, Walter: Wettingen früher. Baden, 2. Aufl. 1981.

7.1 Bearbeiter/in

Bei der Erschliessung und Digitalisierung dieses Bestands im Jahr 2014 wirkten mit: Andreas Steigmeier (Leitung, Erschliessung Q.12.1), Tobias Wildi (technische Leitung), Bart Klein (Datenmanagement), Sarka Klauzova (Digitalisierung Q.12.1 und Q.12.3), David Erban (Standortverzeichnis Q.12.2).

7.3 Verzeichnungsdatum

2014